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Marktplätze & Multichannel

EAN / GTIN

EAN (European Article Number) und GTIN (Global Trade Item Number) bezeichnen praktisch dasselbe: eine weltweit eindeutige, meist 13-stellige Nummer zur Identifikation eines Produkts. GTIN ist der international gebräuchliche Oberbegriff, EAN die in Europa historisch übliche Bezeichnung für die 13-stellige Variante (GTIN-13).

Stand: Juli 2026

Wie ist eine EAN/GTIN aufgebaut?

Eine EAN-13 besteht aus drei Blöcken:

  1. Länderpräfix / GS1-Präfix (meist 3 Ziffern) — identifiziert die vergebende GS1-Landesorganisation, nicht das Herkunftsland des Produkts
  2. Firmen- und Artikelnummer — vom Inhaber des Präfix frei innerhalb des Nummernkreises vergeben
  3. Prüfziffer — die letzte Stelle, errechnet aus den vorherigen 12 Ziffern zur Fehlererkennung beim Scannen

Wichtig für Händler: Der Ländercode sagt nichts über den Produktionsort aus — eine deutsche Firma mit GS1-Germany-Präfix kann Produkte aus jedem Land damit kennzeichnen.

Produktseite im JTL-Shop: Artikelnummer und GTIN stehen direkt am Artikel, darunter Preis inkl. USt-Hinweis, Zahlarten und „Kauf auf Rechnung“ (Demo-Shop).Vollbild
Produktseite im JTL-Shop: Artikelnummer und GTIN stehen direkt am Artikel, darunter Preis inkl. USt-Hinweis, Zahlarten und „Kauf auf Rechnung“ (Demo-Shop).

Warum vergibt GS1 die Nummern?

GS1 ist die globale, gemeinnützig organisierte Standardisierungsorganisation, die Nummernkreise an Unternehmen vergibt und damit weltweite Eindeutigkeit garantiert. Ohne diese zentrale Vergabestelle könnten zwei verschiedene Hersteller versehentlich dieselbe Nummer nutzen — genau das versuchen Marktplätze durch die Pflicht zu GS1-validen EANs zu verhindern.

Praktisch meldet sich ein Händler oder Hersteller bei GS1 Germany (oder der jeweiligen nationalen GS1-Organisation) an, erhält einen Nummernkreis und kann daraus selbst einzelne Artikelnummern ableiten.

Wie läuft die Beantragung bei GS1 Germany ab?

Der Weg zur eigenen EAN ist ein reiner Verwaltungsvorgang, kein technisches Hindernis:

  1. Online-Antrag stellen — auf der Website von GS1 Germany, mit Nachweis der Unternehmensexistenz (Handelsregisterauszug oder Gewerbeanmeldung) und Angabe, wie viele Artikelnummern voraussichtlich benötigt werden.
  2. Nummernkontingent wählen — GS1 staffelt die Kontingente nach Bedarf: Ein kleines Sortiment mit wenigen Dutzend Artikeln braucht ein deutlich kleineres (und günstigeres) Kontingent als ein Hersteller mit hunderten Varianten.
  3. Gebühren zahlen — fällig werden eine einmalige Basisgebühr sowie eine laufende Jahresgebühr, beide gestaffelt nach Größe des gewählten Kontingents: größere Kontingente kosten in der Summe mehr, aber pro einzelner EAN weniger. Die genaue aktuelle Staffelung ändert sich über die Zeit und sollte direkt bei GS1 Germany erfragt werden.
  4. Basisnummer erhalten — nach Zahlungseingang wird die eigene GS1-Basisnummer (Unternehmenspräfix) freigeschaltet, üblicherweise innerhalb weniger Werktage.
  5. Artikelnummern selbst ableiten — aus der Basisnummer lassen sich beliebig viele Artikelnummern bilden, die Prüfziffer wird nach einem festen Rechenverfahren gebildet (einen Online-Rechner stellt GS1 bereit); für jede einzelne EAN fällt keine separate Zusatzgebühr an.
  6. Optional im GEPIR-Verzeichnis prüfbar machen — das globale GS1-Verzeichnis GEPIR erlaubt es Marktplätzen und Handelspartnern, die Herkunft einer EAN bis zum Inhaber der Basisnummer zurückzuverfolgen — genau das prüfen Amazon & Co. bei Zweifelsfällen.

Warum verlangen Marktplätze EANs?

Amazon, Kaufland, Otto und andere große Marktplätze nutzen EANs, um Produkte über verschiedene Anbieter hinweg eindeutig demselben Katalogeintrag zuzuordnen — das ist die technische Grundlage für die Buy Box: Mehrere Händler bieten dasselbe physische Produkt unter derselben EAN an, der Marktplatz bündelt die Angebote auf einer Produktseite.

Ohne eindeutige EAN entstehen Karteileichen — dieselbe Ware taucht mehrfach mit leicht unterschiedlichen Titeln auf, was Sichtbarkeit und Vertrauen kostet. Deshalb ist eine gültige, GS1-konforme EAN heute in den meisten Kategorien Voraussetzung für ein neues Produktangebot.

Amazon vergibt zusätzlich eine eigene interne Kennung, die ASIN — anders als EAN/GTIN kein herstellerübergreifender Standard, sondern nur innerhalb von Amazon gültig. Sie ersetzt die EAN deshalb nicht, sondern kommt erst hinzu, nachdem eine gültige EAN zugeordnet wurde.

Was geht ohne EAN?

SituationOhne EAN möglich?
Neues Produkt bei Amazon anlegenMeist nein, außer mit GTIN-Befreiung (v. a. Eigenmarken/Handmade)
Sich einem bestehenden Amazon-Angebot anschließenJa — Angebot statt neues Produkt erstellen
Verkauf im eigenen Online-Shop (JTL-Shop, Shopify)Ja, EAN ist dort keine technische Pflicht
Verkauf bei Kaufland/eBay/OttoKategorieabhängig, meist ebenfalls EAN-Pflicht
Google Shopping / ProduktfeedGTIN stark empfohlen, sonst schlechtere Sichtbarkeit im Produktfeed

Im eigenen Shop-System kann man also ganz ohne EAN verkaufen — sobald man aber mehrere Marktplätze über eine zentrale Warenwirtschaft wie die JTL-Wawi und Tools wie eazyAuction anbindet, wird die EAN faktisch zur Pflichtangabe, weil sie das verbindende Datenfeld über alle Kanäle ist.

GTIN-Befreiung: Ohne EAN auf Amazon verkaufen

Für Eigenmarken-Hersteller, die keine eigene GS1-Mitgliedschaft aufbauen wollen oder deren Produkte noch keine EAN tragen, bietet Amazon die GTIN-Befreiung (GTIN Exemption) an. Der Antrag läuft über das Seller Central und setzt in der Regel voraus:

  • eine erkennbare Eigenmarke auf Produkt und Verpackung (Markenname sichtbar, idealerweise in der Amazon Brand Registry eingetragen)
  • die Zuordnung zu einer Kategorie, die Befreiungen überhaupt zulässt — vor allem bei Kategorien mit hohen Katalogauflagen ist eine Befreiung häufig ausgeschlossen
  • teils zusätzliche Nachweise wie Produktfotos, aus denen Markenname und fehlende EAN erkennbar sind

Amazon prüft den Antrag und erteilt die Befreiung in der Regel markenweit für die jeweilige Kategorie, nicht nur für ein einzelnes Produkt — ist sie einmal erteilt, lassen sich weitere Produkte derselben Marke in derselben Kategorie ohne erneuten Antrag ohne EAN listen. Wichtig: Die Befreiung gilt nur gegenüber Amazon. Verkauft man dasselbe Produkt zusätzlich über Kaufland, Otto oder im Produktfeed für Google Shopping, verlangen diese Kanäle in der Regel weiterhin eine eigene EAN — wer ohnehin mehrkanalig verkaufen will, fährt deshalb oft günstiger mit einer regulären GS1-Mitgliedschaft.

GS1-Mitgliedschaft: Aufwand und Nutzen

Die Beantragung selbst ist reine Formsache (siehe oben) — die eigentliche Abwägung ist wirtschaftlich: Für wie viele Artikel lohnt sich die laufende Jahresgebühr gegenüber Alternativen wie der GTIN-Befreiung oder einer vom Hersteller übernommenen EAN? Nach dem Beitritt erhält man in jedem Fall einen eigenen Nummernkreis (GS1-Basisnummer bzw. Unternehmensnummer) und kann daraus selbst beliebig viele Artikelnummern ableiten, ohne für jede einzelne EAN erneut zu zahlen.

Für Händler, die nur wenige eigene Produkte herstellen oder labeln lassen, ist die GS1-Mitgliedschaft trotz der Kosten meist die sicherere Wahl gegenüber günstigen Drittanbieter-Nummern: Sie verhindert Konflikte mit der Amazon Brand Registry und mit Marktplätzen, die bei Auffälligkeiten zunehmend die Herkunft der EAN prüfen. Die folgende Tabelle ordnet die Wahl nach typischer Situation ein.

Welche EAN-Quelle passt zu welcher Situation?

Nicht jeder Fall braucht die volle GS1-Mitgliedschaft. Eine grobe Orientierung:

SituationEmpfohlener WegRisiko bei der Alternative
Eigene Marke, viele Artikel/Varianten, mehrkanaliger VerkaufGS1-Germany-MitgliedschaftDrittanbieter-EAN kann bei Markenanmeldung (Brand Registry) oder Kanalwechsel zu Konflikten führen
Eigene Marke, nur wenige Artikel, ausschließlich AmazonGTIN-Befreiung beantragenVolle GS1-Mitgliedschaft ist für so wenige Artikel oft unwirtschaftlich
Weiterverkauf fremder MarkenwareEAN vom Hersteller/Lieferanten übernehmenEigene GS1-Nummer bringt keinen Zusatznutzen, das Produkt trägt bereits eine gültige EAN
Verkauf ausschließlich im eigenen Online-ShopKeine EAN zwingend nötigBei späterem Marktplatz- oder Google-Shopping-Einstieg muss die EAN nachträglich beschafft werden

Die Tabelle ersetzt keine Einzelfallprüfung, zeigt aber die Grundlogik: Je mehr Kanäle und je mehr eigene Varianten im Spiel sind, desto eher rechnet sich die volle Mitgliedschaft gegenüber Einzellösungen.

Typische Fehler im Umgang mit EANs

  1. Selbst ausgedachte oder recycelte Nummern — führt zu Katalogkonflikten und Abweisung durch Marktplätze, sobald diese Duplikate erkennen.
  2. Eine EAN für mehrere Varianten — jede Farbe/Größe braucht eine eigene Nummer, sonst überschreiben sich Bestände und Bewertungen im Marktplatz-Katalog.
  3. EAN-Quelle ohne Markenzuordnung — günstig gekaufte Drittanbieter-EANs sind oft nicht auf die eigene Firma registriert, was bei Markenanmeldungen (Amazon Brand Registry) zu Problemen führt.
  4. EANs nicht zentral in der Warenwirtschaft gepflegt — wenn jeder Marktplatz-Kanal eigene, leicht abweichende EAN-Datensätze führt, brechen Bestandsabgleiche.
  5. GTIN-Befreiung beantragt, obwohl mehrkanaliger Verkauf geplant ist — spart kurzfristig die GS1-Gebühr, zwingt aber spätestens beim zweiten Marktplatz zur nachträglichen Beschaffung einer regulären EAN.

Bei der sauberen EAN- und Katalogstruktur über Shop und Marktplätze hinweg unterstützen wir als JTL Agentur im Rahmen der E-Commerce-Beratung.

Häufige Fragen zu EAN / GTIN

Ist EAN dasselbe wie GTIN?

Im Alltag ja. Technisch ist GTIN der übergeordnete Standard mit verschiedenen Längen (GTIN-8, -12, -13, -14), während EAN speziell die in Europa verbreitete 13-stellige Form (GTIN-13) bezeichnet. Für die meisten Händler sind beide Begriffe austauschbar.

Woher bekomme ich gültige EANs?

Offiziell und markenkonform vergibt sie GS1 Germany gegen eine Mitgliedsgebühr (Basisgebühr plus laufende Jahresgebühr, gestaffelt nach benötigter Nummernmenge). Günstige Drittanbieter-EANs außerhalb von GS1 funktionieren technisch oft, sind aber nicht immer markenrechtlich sauber zugeordnet und werden von manchen Marktplätzen abgelehnt.

Kann ich auch ohne EAN auf Amazon verkaufen?

Ja, in bestimmten Fällen — etwa bei Eigenmarken über eine GTIN-Befreiung (GTIN Exemption) oder bei bereits im Amazon-Katalog gelisteten Produkten, denen man sich als weiterer Anbieter anschließt (Angebot erstellen statt neues Produkt anlegen).

Braucht jede Variante (Farbe, Größe) eine eigene EAN?

Ja. Jede verkaufsfähige Ausprägung eines Produkts — jede Farbe, jede Größe — braucht eine eigene, eindeutige EAN/GTIN, da sie als eigenständige Verkaufseinheit gilt. Nur die übergeordnete Produktfamilie kann sich eine gemeinsame Kennung teilen.

Was kostet die Beantragung bei GS1 Germany ungefähr?

Es fällt eine einmalige Basisgebühr sowie eine laufende Jahresgebühr an, die sich nach der Größe des gewählten Nummernkontingents richtet — kleine Sortimente zahlen deutlich weniger als Hersteller mit großen Kontingenten. Die genaue aktuelle Staffelung ändert sich gelegentlich und sollte direkt bei GS1 Germany erfragt werden.

Gilt eine GTIN-Befreiung bei Amazon auch für andere Marktplätze?

Nein, sie gilt ausschließlich gegenüber Amazon. Kaufland, Otto oder ein Google-Shopping-Feed verlangen in der Regel weiterhin eine reguläre EAN, unabhängig davon, ob bei Amazon eine Befreiung erteilt wurde.

Multichannel starten?

Wir binden Marktplätze über JTL eazyAuction an — inklusive Bestands- und Preislogik.

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