A+ Content
A+ Content (früher „Enhanced Brand Content“) ist ein von Amazon bereitgestelltes Format für erweiterte, visuelle Produktbeschreibungen unterhalb der Standard-Bulletpoints. Es ersetzt den reinen Fließtext durch Bild-Text-Module, Vergleichstabellen und Markenelemente und steht ausschließlich Verkäufern mit registrierter Marke zur Verfügung.
Stand: August 2026
Was ist A+ Content genau?
A+ Content ersetzt die reine Textbeschreibung im unteren Bereich der Produktdetailseite durch ein baukastenartiges System aus Bild- und Textmodulen: Bildergalerien mit Beschreibungstext, Vergleichstabellen zu anderen Produkten der eigenen Marke, Lifestyle-Bilder mit Anwendungsszenarien oder reine Markenstorytelling-Blöcke. Technisch wird A+ Content im Seller Central oder Vendor Central über einen visuellen Editor zusammengesetzt und läuft nach dem Hochladen durch eine Amazon-Prüfung, bevor er live geht.
Der Effekt für Käufer: Statt eines Blocks aus Fließtext sehen sie eine optisch aufbereitete Seite, die eher an eine Markenwebsite als an eine klassische Produktbeschreibung erinnert.
Welche Module stehen zur Verfügung?
Amazon bietet ein festes Set an Modultypen, aus denen sich eine A+-Seite zusammensetzt:
| Modultyp | Inhalt |
|---|---|
| Bild mit Text | einzelnes Bild plus erläuternder Text, z. B. Materialdetail |
| Vergleichstabelle | mehrere eigene Produkte nebeneinander mit Eigenschaften |
| Bildergalerie | mehrere Bilder im Karussell mit kurzen Bildunterschriften |
| Markenstory | Herkunft, Werte oder Historie der Marke |
| Q&A-Modul | häufige Fragen direkt auf der Produktseite beantwortet |
| Premium-Module (nur bestimmte Accounts) | Video-Einbindung, interaktive Hotspot-Bilder, größere Layouts |
Die Standardmodule stehen allen markenregistrierten Verkäufern offen; die erweiterten „Premium A+“-Module sind meist an Vendor-Accounts oder Seller mit entsprechendem Marken- und Umsatzstatus gebunden.
Welche Voraussetzung muss erfüllt sein?
Zwingende Voraussetzung ist die Amazon Brand Registry — also eine eingetragene Marke, die bei Amazon verifiziert wurde. Ohne Markenregistrierung lässt sich für keine ASIN A+ Content anlegen, unabhängig davon, wie lange ein Account schon aktiv verkauft. Das ist einer der praktischen Gründe, warum sich für Marken mit eigenem Sortiment eine Markenanmeldung schon aus diesem Grund lohnen kann — unabhängig vom rechtlichen Markenschutz an sich.
Die Markenregistrierung selbst setzt in der Regel eine aktive, beim zuständigen Markenamt eingetragene Wort- oder Bildmarke voraus. Für sehr junge Marken bietet Amazon mit dem IP-Accelerator-Programm zusätzlich einen Weg, Brand-Registry-Funktionen wie A+ Content bereits während einer laufenden Markenanmeldung zu erhalten, sofern die Anmeldung über eine von Amazon anerkannte Markenkanzlei läuft. Für Vendor-Accounts gilt die Grundvoraussetzung analog, teils mit Zugang zu den erweiterten Premium-Modulen, die über die Standard-Brand-Registry-Optionen hinausgehen.
Wie läuft die Erstellung von A+ Content in der Praxis ab?
Der Weg von der Idee bis zur Live-Schaltung folgt bei den meisten markenregistrierten Verkäufern einem ähnlichen Muster:
- Content-Konzept je ASIN oder Produktfamilie — welche Kaufeinwände adressiert werden sollen und welche Module (Bild-Text, Vergleichstabelle, Markenstory) zum jeweiligen Produkt passen.
- Foto- und Grafikproduktion — meist der zeitintensivste Schritt, da Bildmaterial in den von Amazon vorgegebenen Formaten und Auflösungen für jedes Modul separat erstellt werden muss.
- Texterstellung inklusive Übersetzung — je Marketplace und Sprache, sofern in mehreren Ländern verkauft wird.
- Zusammenbau im A+-Content-Manager — der visuelle Editor in Seller Central oder Vendor Central, in dem Module ohne Programmierkenntnisse zusammengesetzt werden.
- Amazon-Prüfung — dauert in der Praxis meist mehrere Tage bis zu zwei Wochen; Amazon prüft dabei vor allem Bildrichtlinien und ob werbliche oder irreführende Aussagen enthalten sind.
- Live-Schaltung und laufende Pflege — insbesondere bei Sortimentswechseln oder neuen Vergleichsprodukten muss A+ Content aktiv nachgepflegt werden, sonst veraltet er unbemerkt.
Ergänzend zu A+ Content auf der einzelnen Produktseite bietet Amazon mit der Storefront ein eigenes, markenweites Format — eine Art Mini-Website innerhalb Amazons, die mehrere Produkte und Kategorien bündelt. Beide Formate schließen sich nicht aus: A+ Content wirkt auf der einzelnen Produktseite, die Storefront dient eher als Markenschaufenster, das sich auch für Verlinkungen von außerhalb Amazons eignet, etwa in Anzeigen oder Social-Media-Profilen.
In welcher Reihenfolge sollte A+ Content ausgerollt werden?
Bei größeren Sortimenten lohnt sich selten ein Rollout über alle ASINs gleichzeitig — Produktion und Prüfung binden Zeit und Budget. Eine Priorisierung nach Umsatzrelevanz und Kaufkomplexität hat sich in der Praxis bewährt:
| Priorität | Produktgruppe | Begründung |
|---|---|---|
| Hoch | Umsatzstärkste Bestseller-ASINs | Größter Hebel pro investierter Produktionsstunde |
| Hoch | Erklärungsbedürftige Produkte (Technik, Zusammenbau, Größenwahl) | A+ Content reduziert hier Rückfragen und potenziell Retouren am stärksten |
| Mittel | Neueinführungen ohne Bewertungshistorie | Kompensiert fehlende Rezensionen durch zusätzliches Vertrauenssignal |
| Niedrig | Auslaufartikel oder sehr kurzlebige Saisonware | Produktionsaufwand steht in keinem Verhältnis zur verbleibenden Verkaufsdauer |
Welche Wirkung hat A+ Content auf die Conversion?
Amazon selbst positioniert A+ Content als Mittel, um Produktseiten überzeugender und vertrauenswürdiger zu gestalten — konkrete, verlässliche Prozentzahlen zur Conversion-Wirkung veröffentlicht Amazon nicht systematisch, und pauschale Zahlen aus Drittquellen sind je nach Kategorie, Produkt und Ausgangszustand der Seite kaum verallgemeinerbar. Nachvollziehbar ist der Effekt eher auf Ebene der Mechanik: A+ Content beantwortet Kaufeinwände visuell (Größe, Material, Anwendung), reduziert dadurch tendenziell Rückfragen und Retouren aus Fehlkäufen und stärkt den Markeneindruck gegenüber Wettbewerbern ohne A+ Content auf derselben Suchergebnisseite.
Wer die Wirkung für das eigene Sortiment belastbar einschätzen will, sollte sie über den A/B-Test von Amazon (Manage Your Experiments) selbst messen, statt sich auf pauschale Brancheneinschätzungen zu verlassen.
Typische Fehler bei A+ Content
- Reine Textwiederholung statt neuer Information — Module, die nur die Bulletpoints in Bildform wiederholen, liefern dem Käufer keinen zusätzlichen Nutzen.
- Bilder ohne Landessprache — bei internationalem Verkauf werden Textmodule oft nur in einer Sprache gepflegt und dann unverändert in andere Marketplaces kopiert.
- Keine Aktualisierung nach Sortimentswechsel — Vergleichstabellen mit ausgelaufenen Produkten verwirren statt zu informieren.
- A+ Content isoliert von Hauptbild und Titel geplant — die ersten Kaufentscheidungen fallen oben auf der Seite, A+ Content wirkt erst danach; wer dort investiert, aber Titel und Hauptbild vernachlässigt, optimiert an der falschen Stelle zuerst.
Bei Aufbau und laufender Pflege von A+ Content über mehrere Marktplätze und Sprachen hinweg unterstützen wir im Rahmen unserer E-Commerce-Beratung.
Häufige Fragen zu A+ Content
Kostet A+ Content extra?›
Nein, die Grundfunktion ist für Verkäufer mit registrierter Marke ohne zusätzliche Amazon-Gebühr nutzbar. Kosten entstehen indirekt durch die Erstellung — Fotografie, Grafik, Übersetzung — sowie gegebenenfalls für „Premium A+ Content“, das bestimmten Vendor- und markenregistrierten Sellern mit erweiterten Modulen vorbehalten ist.
Brauche ich für jedes Land eine eigene A+-Version?›
Ja. A+ Content wird pro ASIN und Marketplace hinterlegt. Wer in mehreren Ländern verkauft, muss Texte übersetzen und Inhalte für jede Landesplattform separat hochladen — eine zentrale Pflege über alle Länder gibt es in Seller Central nicht automatisch.
Ersetzt A+ Content die normalen Bulletpoints?›
Nein. A+ Content erscheint zusätzlich, weiter unten auf der Produktseite, und ersetzt nicht die Produkttitel, Bulletpoints oder das Hauptbild — diese bleiben weiterhin entscheidend für Suche und ersten Eindruck.
Wie lange dauert die Freigabe von A+ Content durch Amazon?›
Die Prüfung dauert in der Praxis meist mehrere Tage bis zu zwei Wochen, abhängig von Auslastung und Kategorie. Amazon prüft dabei vor allem, ob Bildrichtlinien und Textvorgaben eingehalten werden.
Sollte ich A+ Content für alle Produkte gleichzeitig einführen?›
In der Praxis meist nicht sinnvoll — Produktion und Prüfung kosten Zeit und Budget pro ASIN. Eine Priorisierung nach Umsatzstärke und Erklärungsbedarf, etwa bei technischen Produkten mit vielen Rückfragen, bringt in der Regel den größten Effekt pro investierter Stunde, bevor der Rest des Sortiments folgt.
Was ist der Unterschied zwischen A+ Content und der Amazon Storefront?›
A+ Content wirkt auf der einzelnen Produktseite und ergänzt dort die Standardbeschreibung. Die Storefront ist dagegen ein eigenes, markenweites Format — eine Art Mini-Website innerhalb Amazons, die mehrere Produkte und Kategorien bündelt und sich auch für Verlinkungen von außerhalb Amazons eignet. Beide Formate ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.
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