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Marktplätze & Multichannel

Amazon FBA vs. FBM

FBA (Fulfillment by Amazon) und FBM (Fulfillment by Merchant) sind die zwei Versandmodelle für Verkäufer auf Amazon. Bei FBA lagert und versendet Amazon die Ware inklusive Kundenservice, bei FBM übernimmt der Händler Lagerung, Versand und Kundenservice selbst.

Stand: Juli 2026

FBA und FBM im direkten Vergleich

KriteriumFBA (Fulfillment by Amazon)FBM (Fulfillment by Merchant)
LagerungIn Amazon-LogistikzentrenIm eigenen Lager oder bei eigenem 3PL
VersandDurch Amazon, inkl. Prime-KennzeichnungDurch den Händler organisiert
Kundenservice & RetourenÜbernimmt AmazonÜbernimmt der Händler
KostenLager- + Versandgebühr nach Größe/Gewicht/SaisonEigene Lager-, Personal- und Versandkosten
Kontrolle über Verpackung/MarkeGering (Standardverpackung)Voll
Prime-BadgeAutomatischNur über „Versand durch Verkäufer mit Prime“ (SFP), Zugangsvoraussetzungen nötig
Skalierung bei BestellspitzenSehr gut, Amazon-InfrastrukturAbhängig von eigener Kapazität

Diese Tabelle zeigt: FBA kauft Prime-Sichtbarkeit und Skalierbarkeit gegen Kontrollverlust, FBM behält Kontrolle gegen mehr eigenen Aufwand.

Kostenlogik verstehen

Bei FBA zahlt der Händler zwei Hauptgebühren: eine Lagergebühr (nach Volumen, saisonal unterschiedlich, im Q4 spürbar teurer) und eine Fulfillment-Gebühr pro verkaufter Einheit (nach Gewicht und Größe gestaffelt). Dazu kommt die allgemeine Amazon-Verkaufsprovision von grob ca. 15 % je nach Kategorie — die fällt bei FBA wie FBM gleichermaßen an.

Bei FBM entfallen die FBA-Gebühren, dafür trägt der Händler die vollen Kosten für Fulfillment: Lagerfläche, Personal, Verpackungsmaterial, Versanddienstleister und den Aufwand für Kundenanfragen und Retouren. Ein realistischer Vergleich muss also die Vollkosten des eigenen Fulfillments gegen die FBA-Gebühren rechnen — nicht nur den Versandpreis.

Wirkung auf die Buy Box

Die Buy Box — der Kaufen-Button auf der Produktseite — wird nach einem Amazon-internen Algorithmus vergeben, der unter anderem Preis, Versandgeschwindigkeit und Verkäuferbewertung berücksichtigt. FBA-Angebote erfüllen die Prime-Versandkriterien praktisch automatisch und punkten regelmäßig bei der gemessenen Liefertreue, weshalb sie im Schnitt häufiger die Buy Box gewinnen als vergleichbare FBM-Angebote. Das ist aber kein Automatismus — ein FBM-Händler mit sehr wettbewerbsfähigem Preis und nachweislich zuverlässigem Versand kann eine FBA-Konkurrenz durchaus schlagen.

Wann FBA, wann FBM?

  • FBA passt gut bei kleinvolumigen, gut drehenden Artikeln, saisonalen Spitzen (Black Friday, Weihnachten), fehlender eigener Logistik-Infrastruktur und wenn Prime-Sichtbarkeit den Ausschlag geben soll.
  • FBM passt gut bei sperriger, schwerer oder erklärungsbedürftiger Ware, bei geringer Umschlagshäufigkeit (lange FBA-Lagerung wird teuer), bei Produkten mit eigenem Markenerlebnis in der Verpackung oder wenn ohnehin ein eigenes Fulfillment für Shop und andere Kanäle besteht.

Viele erfahrene Händler kombinieren beides: Bestseller über FBA für Prime und Buy-Box-Stärke, Nischenartikel und Ausreißer über FBM, um Lagerkosten bei Amazon nicht unnötig zu erhöhen.

Hybrid-Strategien in der Praxis

Neben der reinen Entweder-oder-Entscheidung nutzen viele erfahrene Amazon-Händler eine dritte Variante: Seller Fulfilled Prime (SFP), bei der der Händler selbst versendet, aber Amazons Prime-Kriterien für Liefergeschwindigkeit und -zuverlässigkeit erfüllt. SFP verlangt allerdings eine nachweislich stabile Versandleistung über einen Testzeitraum und ist an strengere Auflagen gebunden als reguläres FBM — es eignet sich vor allem für Händler mit bereits sehr zuverlässigem eigenem Fulfillment, die die FBA-Lagergebühren vermeiden, aber trotzdem das Prime-Badge erhalten wollen.

Eine weitere verbreitete Praxis ist die kanalspezifische Aufteilung: Ein Teil des Sortiments läuft komplett über FBA, ein anderer Teil ausschließlich über FBM oder den eigenen Shop — abhängig davon, wie gut sich der jeweilige Artikel für die pauschale FBA-Gebührenlogik eignet. Sperrige, margenschwache oder saisonale Ausreißer bleiben dabei häufig bewusst außerhalb von FBA, um Lager- und Entsorgungsgebühren zu vermeiden.

Typische Fehler bei der FBA/FBM-Entscheidung

  1. Nur Versandkosten vergleichen — die eigenen Vollkosten (Personal, Fläche, Retourenbearbeitung) werden bei FBM oft unterschätzt.
  2. FBA-Langzeitlagergebühren ignoriert — Artikel, die länger als ein Jahr im FBA-Lager liegen, werden deutlich teurer; langsame Dreher gehören eher zu FBM.
  3. Bestände zwischen FBA-Lager und eigenem System nicht synchronisiert — führt zu Überverkauf auf anderen Kanälen, wenn die Warenwirtschaft den FBA-Bestand nicht kennt.
  4. Rein auf Buy-Box-Chancen optimiert, ohne die Marge zu prüfen — FBA-Gebühren können die Marge bei niedrigpreisigen Artikeln überproportional belasten.

Für die technische Anbindung von Amazon FBA und FBM über eine zentrale Warenwirtschaft — etwa mit eazyAuction aus der JTL-Wawi — unterstützen wir als JTL Agentur.

Häufige Fragen zu Amazon FBA vs. FBM

Ist FBA immer teurer als FBM?

Nicht zwingend. FBA-Gebühren (Lagerung + Versand) wirken auf den ersten Blick hoch, ersetzen aber eigene Lager-, Personal- und Versandkosten sowie den Kundenservice-Aufwand. Bei kleinvolumigen, schnell drehenden Artikeln ist FBA oft wirtschaftlicher, bei sperriger oder langsam drehender Ware oft teurer.

Bekommt FBA automatisch die Buy Box?

Nein, automatisch nicht — aber Prime-Fähigkeit und die von Amazon selbst gemessene Versand- und Servicequalität sind gewichtete Faktoren im Buy-Box-Algorithmus, sodass FBA-Angebote im Schnitt bessere Chancen haben als vergleichbare FBM-Angebote ohne Prime.

Kann ich FBA und FBM für dasselbe Produkt gleichzeitig nutzen?

Ja, das ist eine verbreitete Strategie: Ein Teil des Bestands liegt bei Amazon (FBA) für schnelle Prime-Lieferung, ein Teil bleibt im eigenen Lager (FBM) als Absicherung gegen FBA-Lagerengpässe oder für Multichannel-Versand.

Brauche ich für FBA eine eigene Warenwirtschaft?

Zwingend nicht, aber ab mehreren hundert Artikeln oder mehreren Verkaufskanälen wird eine Warenwirtschaft wie die JTL-Wawi mit Marktplatz-Anbindung praktisch unverzichtbar, um Bestände zwischen FBA-Lager, eigenem Lager und anderen Kanälen konsistent zu halten.

Multichannel starten?

Wir binden Marktplätze über JTL eazyAuction an — inklusive Bestands- und Preislogik.

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