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Zahlungsarten & Finanzen

Rechnungskauf

Rechnungskauf ist eine Zahlungsart, bei der Kunden die Ware zuerst erhalten und erst nach einer vereinbarten Frist bezahlen. Im DACH-Raum gehört sie zu den am stärksten nachgefragten Zahlungsarten im Online-Handel, weil sie dem Kunden das Risiko abnimmt, für nicht gelieferte oder mangelhafte Ware bereits gezahlt zu haben.

Stand: Juli 2026

Warum ist Rechnungskauf im DACH-Raum so wichtig?

In kaum einer anderen Region ist der Kauf auf Rechnung so tief im Kaufverhalten verankert wie im deutschsprachigen Raum. Der Grund liegt im Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Shop: Bei einer Vorkasse- oder Kreditkartenzahlung trägt der Kunde das Risiko, dass Ware nicht, verspätet oder mangelhaft ankommt. Beim Rechnungskauf liegt dieses Risiko umgekehrt beim Händler — der Kunde zahlt erst, wenn er die Ware geprüft hat.

Für Shop-Betreiber bedeutet das: Wer Rechnungskauf nicht anbietet, verliert einen Teil der Käufer schon vor dem eigentlichen Checkout-Schritt — siehe auch Warenkorbabbruch. Gerade bei Erstkäufern ohne bestehende Kundenbeziehung ist die fehlende Rechnungsoption ein häufig genannter Abbruchgrund. In Verbraucherbefragungen zum Zahlverhalten im deutschsprachigen Online-Handel zählt der Rechnungskauf seit Jahren durchgehend zu den am häufigsten genutzten Zahlarten überhaupt — ein Signal, das bei der Zahlartenstrategie kaum zu ignorieren ist.

Produktseite im JTL-Shop: „Kauf auf Rechnung“ wird als Zahlungsversprechen direkt am Artikel ausgelobt, neben Zahlart-Badges wie Klarna und PayPal (Demo-Shop).Vollbild
Produktseite im JTL-Shop: „Kauf auf Rechnung“ wird als Zahlungsversprechen direkt am Artikel ausgelobt, neben Zahlart-Badges wie Klarna und PayPal (Demo-Shop).

White-Label vs. Klarna/PayPal — was ist der Unterschied?

Grundsätzlich lassen sich zwei Wege unterscheiden, Rechnungskauf im Shop anzubieten:

KriteriumWhite-Label-AnbieterKlarna / PayPal Rechnungskauf
Markenauftritt im Checkouteigene Shop-Markefremdes, bekanntes Markenlogo
Vertrauenswirkungabhängig von der eigenen Shop-Reputationprofitiert vom Vertrauen in die große Marke
Integrationsaufwandmeist individuellermeist standardisierte Plugins/APIs
Risikoübernahmeje nach Vertrag, oft ebenfalls möglichin der Regel vollständig durch den Anbieter
Kundendatenhoheitverbleibt stärker beim Händlerteilweise beim Zahlungsdienstleister
Kostenmeist transaktionsbasiert, verhandelbarmeist transaktionsbasiert, oft mit Fixanteil

Klarna und PayPal bringen sofortiges Vertrauen mit, weil viele Kunden diese Marken bereits kennen — das kann die Konversionsrate im Checkout messbar stützen. Der Preis dafür ist ein gewisser Kontrollverlust: Der Zahlungsprozess läuft sichtbar unter fremder Marke, und ein Teil der Kundenbeziehung (z. B. Mahnwesen, Ratenzahlung) liegt beim Anbieter.

White-Label-Lösungen halten den gesamten Checkout unter der eigenen Marke, was für etablierte Shops mit eigener Vertrauensbasis passt — bei jungen oder kleinen Shops kann jedoch genau das fehlende Fremdvertrauen die Konversion wieder bremsen.

B2B- oder B2C-Rechnungskauf: Unterschiedliche Anbieter, unterschiedliche Logik

Nicht jeder Rechnungskauf-Anbieter deckt beide Kundengruppen gleich gut ab. Klassische B2C-Anbieter wie Klarna, PayPal Rechnungskauf oder Ratepay prüfen die Bonität von Privatpersonen über Verbraucher-Scoring und Auskunfteien wie die Schufa — passend für Shops mit überwiegend privaten Endkunden. Für Shops mit Geschäftskunden, etwa im Großhandel oder bei Direktvertrieb an Gewerbetreibende, sind darauf spezialisierte Anbieter wie Billie oder Mondu meist die bessere Wahl: Sie prüfen die Bonität auf Firmenebene über Wirtschaftsauskunfteien, arbeiten mit höheren Bestellwerten und orientieren sich an im B2B-Geschäft üblichen längeren Zahlungszielen statt an den kurzen Fristen im Verbrauchergeschäft.

AnbieterZielgruppeBesonderheit
KlarnaB2CGrößte Markenbekanntheit, kombiniert mit Ratenkauf und eigenem App-Ökosystem
PayPal RechnungskaufB2CNaheliegend für Shops, die PayPal ohnehin als Zahlart führen
RatepayB2C, teils White-LabelAuch ohne sichtbares Fremdmarkenlogo im Checkout einsetzbar
BillieB2BSpezialisiert auf Rechnungskauf für Geschäftskunden, Bonitätsprüfung auf Firmenebene
MonduB2BVergleichbarer Fokus wie Billie, u. a. für B2B-Checkout und Großhandelsplattformen

Wer beide Kundengruppen bedient, etwa ein Hybrid-Shop mit Privat- und Gewerbekunden, kombiniert in der Praxis häufig zwei getrennte Anbindungen — eine B2C- und eine B2B-Lösung — statt zu versuchen, beide Zielgruppen über eine einzige Zahlart abzudecken.

Wie läuft die Risikoprüfung ab?

Damit ein Zahlungsdienstleister das Ausfallrisiko übernehmen kann, muss er es vorher einschätzen. Das passiert bei jeder Bestellung automatisiert, meist innerhalb von Sekunden:

  1. Identitäts- und Adressprüfung — stimmen die Angaben mit vorliegenden Daten überein?
  2. Bonitätsprüfung über Auskunfteien wie Schufa oder spezialisierte Risiko-Scoring-Anbieter
  3. Bestellmuster-Analyse — ungewöhnliche Warenkörbe, Lieferadressen oder Bestellfrequenzen erhöhen das Risiko-Scoring
  4. Bestehende Kundenhistorie — Bestandskunden mit sauberer Zahlungshistorie erhalten oft großzügigere Limits

Fällt die Prüfung negativ aus, wird Rechnungskauf im Checkout für diese Bestellung häufig gar nicht erst angezeigt, oder der Kunde wird zu einer anderen Zahlungsart (z. B. Vorkasse) geleitet — ohne dass der Ablehnungsgrund offen kommuniziert wird.

Was passiert bei Forderungsausfall?

Beim ungesicherten Rechnungskauf — etwa wenn ein Händler ihn ohne Zahlungsdienstleister komplett selbst abwickelt — trägt er das volle Ausfallrisiko: Zahlt der Kunde nicht, bleibt der Händler auf Wareneinsatz und Versandkosten sitzen, und die Forderung muss im schlimmsten Fall über ein Inkassoverfahren durchgesetzt werden, was zusätzliche Kosten verursacht und selten den vollen Betrag zurückbringt. Bis dahin durchläuft eine offene Forderung in der Regel mehrere Eskalationsstufen: eine erste freundliche Zahlungserinnerung, ein oder mehrere förmliche Mahnungen mit Fristsetzung, und erst danach die Übergabe an ein Inkassobüro oder — im Streitfall — ein gerichtliches Mahnverfahren. Jede Stufe kostet Zeit, verursacht oft zusätzliche Gebühren zulasten des Kunden und senkt gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, den offenen Betrag am Ende vollständig einzutreiben.

Bei einer abgesicherten Lösung über Klarna, PayPal oder spezialisierte Anbieter übernimmt der Zahlungsdienstleister dieses Risiko gegen eine Transaktionsgebühr — der Händler bekommt sein Geld unabhängig vom Zahlungsverhalten des Kunden. Diese Absicherung ist der Hauptgrund, warum sich die meisten Händler für eine externe Anbindung statt Eigenabwicklung entscheiden, trotz der zusätzlichen Gebühr.

Umsetzung im Shop: JTL-Shop und Shopify

JTL-Shop bindet Rechnungskauf über Payment-Plugins aus dem JTL-Extension-Store an — etwa für Klarna, Ratepay oder PayPal —, die Risikoprüfung und Zahlungsabwicklung im Checkout automatisiert übernehmen, ohne dass eigene Entwicklung am Shop-Kern nötig wird. Shopify integriert Rechnungskauf meist über die Klarna-App oder vergleichbare Lösungen aus dem Shopify App Store; in einigen Märkten lässt sich Klarna auch direkt als Zahlungsmethode innerhalb von Shopify Payments aktivieren. In beiden Systemen ist die technische Anbindung selbst meist in wenigen Schritten erledigt — der eigentliche Aufwand liegt in der Wahl des passenden Anbieters und einer sauberen, gut sichtbaren Darstellung der Zahlungsfristen im Checkout, statt die Option erst am Ende des Bestellprozesses zu verstecken.

Typische Fehler beim Rechnungskauf

  1. Rechnungskauf im Checkout zu spät oder zu unauffällig platzieren, statt ihn früh sichtbar als Option zu zeigen.
  2. Eigenes Ausfallrisiko unterschätzen, wenn Rechnungskauf ohne Zahlungsdienstleister-Absicherung angeboten wird.
  3. Risikoprüfung komplett Dritten überlassen, ohne eigene Auffälligkeiten (z. B. gehäufte Lieferadresse) zu beobachten.
  4. Rechtliche Pflichtangaben im Checkout vernachlässigen — etwa fehlende Hinweise zu Zahlungsfristen oder Mahnprozess, was zu Beschwerden führt.
  5. Nur eine Zahlungsart mit Rechnungsoption anbieten, statt sie mit anderen Optionen wie Chargeback-abgesicherten Zahlungsarten zu kombinieren, um unterschiedliche Kundenpräferenzen abzudecken.
  6. B2B-Kunden mit einer reinen B2C-Lösung bedienen, obwohl spezialisierte B2B-Rechnungskauf-Anbieter wie Billie oder Mondu besser zu Firmenkunden und deren Zahlungsverhalten passen.

Die Auswahl und Anbindung der passenden Zahlungsarten ist Teil unserer Arbeit als E-Commerce-Agentur — insbesondere bei der Integration in JTL-Shop oder Shopify-Checkouts.

Häufige Fragen zu Rechnungskauf

Warum ist Rechnungskauf gerade in Deutschland so beliebt?

Kulturell und historisch ist der Kauf auf Rechnung im deutschsprachigen Raum stark verankert — Kunden wollen die Ware prüfen können, bevor sie zahlen. Fehlt diese Option im Checkout, ist das einer der häufigsten Gründe für einen Warenkorbabbruch, besonders bei Erstkäufern ohne Vertrauensbeziehung zum Shop.

Trägt der Händler beim Rechnungskauf immer das volle Ausfallrisiko?

Nur, wenn er den Rechnungskauf selbst abwickelt, ohne Absicherung. Bei Anbindung über Klarna, PayPal Rechnungskauf oder spezialisierte White-Label-Dienstleister übernimmt in der Regel der Zahlungsdienstleister das Forderungsausfallrisiko gegen eine Gebühr — der Händler erhält sein Geld unabhängig davon, ob der Kunde am Ende zahlt.

Was ist der Unterschied zwischen White-Label-Rechnungskauf und Klarna oder PayPal?

Klarna und PayPal treten im Checkout mit eigenem Markenlogo auf, was Vertrauen schafft, aber auch bedeutet, dass der Kunde die Beziehung eher mit dem Zahlungsdienstleister als mit dem Shop verbindet. White-Label-Lösungen laufen unter der eigenen Shop-Marke, überlassen dem Kunden aber weniger vertraute Wiedererkennung.

Wie läuft die Risikoprüfung beim Rechnungskauf ab?

Zahlungsdienstleister prüfen bei jeder Bestellung automatisiert Bonitätsdaten, Bestellhistorie und Betrugsmuster in Echtzeit, meist über Auskunfteien wie Schufa oder spezialisierte Risiko-Scoring-Anbieter. Bei Risikofällen wird Rechnungskauf im Checkout gar nicht erst als Option angezeigt oder es wird eine alternative Zahlungsart vorgeschlagen.

Eignet sich Rechnungskauf auch für B2B-Shops?

Ja, aber meist über spezialisierte Anbieter wie Billie oder Mondu statt über klassische B2C-Lösungen. Die Bonitätsprüfung erfolgt dort auf Firmenebene über Wirtschaftsauskunfteien statt über Verbraucher-Scoring, und Zahlungsziele orientieren sich eher an im B2B-Handel üblichen 30- oder 60-Tage-Fristen als an den kurzen Fristen im Verbrauchergeschäft.

Was kostet die Anbindung eines Rechnungskauf-Anbieters?

Neben der laufenden Transaktionsgebühr, die das Ausfallrisiko einpreist, fallen bei den meisten Anbietern keine nennenswerten einmaligen Einrichtungskosten an, sofern ein fertiges Plugin für das Shopsystem existiert. Individuelle API-Anbindungen bei Sonderanforderungen verursachen zusätzlichen Entwicklungsaufwand.

Zahlarten-Setup optimieren?

Der richtige Zahlarten-Mix senkt Abbrüche messbar — wir richten ihn in JTL und Shopify ein.

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