Streckengeschäft (Dropshipping)
Streckengeschäft bezeichnet den Versand einer Ware direkt vom Lieferanten oder Hersteller an den Endkunden, ohne dass der Händler die Ware selbst physisch in die Hand nimmt. Im DACH-B2B-Handel ist der Begriff der etablierte, seriöse Ausdruck für das, was im B2C-Umfeld meist „Dropshipping“ genannt wird.
Stand: Juli 2026
Wie funktioniert Streckengeschäft in der Praxis?
Der Ablauf unterscheidet sich vom klassischen Handel nur in einem Punkt — die Ware bewegt sich nicht über das eigene Lager:
- Kunde bestellt im Online-Shop oder auf dem Marktplatz beim Händler.
- Der Händler leitet die Bestellung automatisiert an den Lieferanten weiter (per Schnittstelle, E-Mail oder EDI).
- Der Lieferant verpackt und versendet direkt an die Adresse des Endkunden.
- Rechnung und Kundenkommunikation bleiben beim Händler — er tritt gegenüber dem Kunden als Verkäufer auf.
Für den Kunden ist im Idealfall nicht erkennbar, dass ein Dritter versendet hat. Das ist Streckengeschäft in seiner sauberen, professionellen Form.
Streckengeschäft vs. klassisches Dropshipping — die Abgrenzung
| Merkmal | Streckengeschäft (B2B-DACH-Praxis) | Klassisches Dropshipping |
|---|---|---|
| Lieferant | Etablierter Großhändler oder Hersteller im In- oder EU-Ausland | Oft Plattformen mit Anbindung nach Fernost (z. B. AliExpress-Modelle) |
| Lieferzeit | Meist 1-5 Werktage | Oft 1-4 Wochen |
| Qualitätskontrolle | Bekannte Marken, geprüfte Lieferanten | Häufig unbekannte Hersteller, Qualität schwankt |
| Rechtliche Basis | Klassischer Kaufvertrag mit Streckengeschäfts-Klausel | Ebenfalls Kaufvertrag, aber oft mit intransparenten Lieferketten |
| Wahrnehmung im Markt | Etablierte, seriöse Geschäftspraxis | Teilweise negativ konnotiert |
Der entscheidende Unterschied liegt selten im rechtlichen Konstrukt, sondern in der Lieferantenqualität und der Nähe der Lieferkette — deutsche oder EU-Lieferanten liefern zuverlässiger und schneller als asiatische Direktversender.
B2B-Praxis in DACH
Im deutschen Großhandel ist Streckengeschäft seit Jahrzehnten etabliert, etwa im Möbel-, Elektronik- oder Baumarktsegment. Typisch ist eine Anbindung über EDI oder strukturierte Datenformate (BMEcat, CSV) zwischen der Warenwirtschaft des Händlers und dem System des Lieferanten. In der JTL-Wawi lässt sich Streckengeschäft über eigene Lieferanten-Kennzeichnungen und automatisierte Bestellweiterleitung abbilden — wichtig ist, dass Bestandsdaten des Lieferanten regelmäßig zurück in die eigene Bestandsführung gespielt werden, sonst verkauft man Artikel, die beim Lieferanten längst ausverkauft sind.
Risiken: Lieferzeit und Retouren
Die zwei größten Schwachstellen im Streckengeschäft betreffen Dinge, die der Händler nicht selbst in der Hand hat:
- Lieferzeit — der Händler ist von der Zuverlässigkeit des Lieferanten abhängig. Verzögerungen beim Lieferanten werden zum Problem des Händlers, weil der Kunde nur mit ihm einen Vertrag hat.
- Retouren — Rücksendungen gehen in der Regel nicht an den Lieferanten zurück, sondern müssen vom Händler organisiert werden, was einen zusätzlichen Logistikschritt erzeugt. Manche Lieferanten bieten eigene Retourenadressen an, das ist aber nicht Standard.
- Bestandsgenauigkeit — ohne Echtzeit- oder zumindest mehrmals-täglichen Datenabgleich verkauft der Shop Artikel, die faktisch nicht mehr verfügbar sind, was zu Stornierungen und Kundenunmut führt.
Vertragliche Absicherung im Streckengeschäft
Weil der Händler gegenüber dem Endkunden voll haftet, obwohl er die Ware nie sieht, lohnt sich eine klare vertragliche Regelung mit dem Lieferanten: verbindliche Lieferzeiten, ein definierter Prozess für Rücksendungen, Haftung bei Falsch- oder Fehllieferungen sowie ein Verfahren für den Fall, dass der Lieferant kurzfristig ausfällt oder Bestände nicht mehr verfügbar sind. Viele Streitfälle entstehen nicht durch böswilliges Verhalten, sondern durch fehlende Absprachen, wer im Zweifel welche Kosten trägt — etwa bei einer beschädigt ankommenden Sendung.
Ein zweiter Baustein ist die Datenanbindung selbst: Je enger Bestell- und Bestandsdaten technisch zwischen Händler und Lieferant gekoppelt sind, desto geringer das Risiko von Fehlbeständen. Manuelle Prozesse per E-Mail-Bestellung funktionieren bei wenigen Bestellungen pro Woche, werden aber ab einem gewissen Volumen zur Fehlerquelle — spätestens dann lohnt sich eine strukturierte Schnittstelle über die Warenwirtschaft.
Typische Fehler im Streckengeschäft
- Keine oder zu seltene Bestandsabgleiche mit dem Lieferanten — die häufigste Ursache für Überverkäufe.
- Fehlende SLA-Vereinbarungen zu Lieferzeit und Reaktionszeit bei Rückfragen — im Streit mit dem Kunden zahlt sonst allein der Händler.
- Verpackung ohne Händler-Branding — wirkt beim Kunden unprofessionell und erschwert spätere Rückfragen.
- Retourenprozess nicht geregelt — wird erst beim ersten Widerruf improvisiert, statt vorab mit dem Lieferanten vereinbart.
- Ein einziger Lieferant als Single Point of Failure — fällt er aus oder ändert Preise, steht das gesamte Sortiment still.
Bei der technischen Anbindung von Streckengeschäfts-Lieferanten an JTL-Wawi oder Shopify unterstützen wir als JTL Agentur und E-Commerce-Agentur.
Häufige Fragen zu Streckengeschäft (Dropshipping)
Ist Streckengeschäft dasselbe wie Dropshipping?›
Im Kern ja — beide beschreiben den Direktversand vom Lieferanten zum Endkunden. „Streckengeschäft“ ist der im deutschen B2B-Großhandel etablierte, neutrale Begriff, während „Dropshipping“ international vor allem mit Billig- und Direktimport-Modellen aus Fernost assoziiert wird.
Muss der Kunde merken, dass es sich um Streckengeschäft handelt?›
Nein, rechtlich nicht vorgeschrieben, aber Transparenz zahlt sich aus. Verpackung, Lieferschein und Absenderadresse sollten möglichst neutral oder auf den verkaufenden Händler gebrandet sein — sonst wirkt es unprofessionell oder verwirrt den Kunden.
Wer haftet bei Mängeln im Streckengeschäft — Händler oder Lieferant?›
Vertragspartner des Endkunden bleibt der Händler, der die Ware verkauft hat. Er haftet also für Gewährleistung und Widerruf gegenüber dem Kunden, auch wenn die Ware nie sein Lager durchlaufen hat — im Innenverhältnis kann er sich beim Lieferanten regressieren.
Lohnt sich Streckengeschäft für kleine Händler?›
Es senkt die Einstiegshürde, weil kein eigenes Lager nötig ist, bringt aber geringere Margen und weniger Kontrolle über Lieferzeit und Verpackungsqualität mit sich. Es eignet sich gut zur Sortimentserweiterung neben einem Kernsortiment mit eigenem Bestand, seltener als alleiniges Geschäftsmodell.
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