ASIN
Die ASIN (Amazon Standard Identification Number) ist ein zehnstelliger, alphanumerischer Code, den Amazon jedem Produkt in seinem eigenen Katalog zuweist. Anders als EAN oder GTIN ist die ASIN kein herstellerübergreifender, weltweiter Standard, sondern eine Amazon-interne Kennung, die nur innerhalb der jeweiligen Amazon-Landesplattform eindeutig ist.
Stand: August 2026
Was ist eine ASIN genau?
Jedes Produkt, das im Amazon-Katalog neu angelegt wird, erhält automatisch eine ASIN — unabhängig davon, ob es sich um ein Buch, ein Elektronikgerät oder ein Fashion-Produkt handelt. Bücher bilden dabei eine Ausnahme: Bei ihnen entspricht die ASIN meist der ISBN. Für alle anderen Kategorien vergibt Amazon eine zufällige zehnstellige Kombination aus Buchstaben und Ziffern, die mit „B0“ beginnt.
Die ASIN steuert innerhalb von Amazon so gut wie alles: die Produktdetailseite, die Buy Box-Zuordnung, das Ranking in der Suche, verknüpfte Rezensionen und auch A+ Content. Wer ein Produkt bei Amazon verkauft, arbeitet in Wirklichkeit gegen eine ASIN, nicht gegen einen eigenen Shop-Artikel — das ist ein zentraler Unterschied zum eigenen Online-Shop.
Wie unterscheidet sich die ASIN von EAN/GTIN?
Die EAN/GTIN ist ein weltweiter, von GS1 vergebener Standard, der ein physisches Produkt herstellerübergreifend eindeutig macht. Die ASIN ist dagegen eine reine Amazon-Katalognummer:
| Merkmal | EAN/GTIN | ASIN |
|---|---|---|
| Vergeben durch | GS1 (herstellerunabhängig) | Amazon |
| Gültigkeitsbereich | weltweit, plattformübergreifend | Amazon-intern, meist pro Landesgruppe |
| Zweck | eindeutige Produktidentifikation | Katalog- und Listing-Steuerung bei Amazon |
| Format | meist 13-stellig, numerisch | 10-stellig, alphanumerisch, beginnt oft mit B0 |
| Wiederverwendbar für Varianten? | jede Variante braucht eigene EAN | jede Variante bekommt eigene ASIN, gebündelt als „Parent-Child“ |
In der Praxis meldet ein Händler beim Anlegen eines neuen Produkts seine EAN an — Amazon prüft, ob dazu bereits eine ASIN existiert, und ordnet das Angebot entweder einer bestehenden ASIN zu oder erzeugt eine neue.
Neues Listing erstellen oder an eine bestehende ASIN anhängen?
Das ist in der Praxis die erste Weichenstellung bei jedem neuen Produkt. Existiert für das identische physische Produkt bereits eine ASIN, sollte sich ein Händler mit einem eigenen Angebot daran anhängen — nicht ein neues Listing erstellen. Das betrifft typischerweise Wiederverkäufer von Markenware, Distributoren oder Multichannel-Händler, die ein bereits im Katalog geführtes Produkt zusätzlich anbieten. Ein komplett neues Listing ist dagegen nur bei echten Eigenmarken, exklusiv importierten Produkten oder tatsächlichen Produktneuheiten der richtige Weg, für die noch keine ASIN existiert.
| Situation | Richtiger Weg | Typisches Risiko bei falscher Wahl |
|---|---|---|
| Identisches Produkt existiert bereits im Katalog (fremde Marke) | An bestehende ASIN anhängen | Neues Listing erzeugt Duplikat, spaltet Bewertungen und Ranking |
| Eigenmarke, erstmals bei Amazon gelistet | Neues Listing mit eigener EAN erstellen | Anhängen an eine fremde ASIN verletzt ggf. Markenrechte Dritter |
| Bestehendes Produkt in neuer Verpackungsgröße oder Variante | Meist neue Variante innerhalb derselben Produktfamilie | Als komplett neues Einzelprodukt geführt, verliert Verknüpfung zu Rezensionen der Stammvariante |
| Import eines im Zielland noch nicht gelisteten Markenprodukts | Prüfen, ob der Markeninhaber bereits eine ASIN führt, sonst neu anlegen | Parallelimporte ohne Prüfung erzeugen häufig Duplikate mit falscher EAN-Zuordnung |
Praktisch entscheidet die EAN über den Weg: Wird beim Anlegen eines Angebots eine EAN eingegeben, zu der Amazon bereits eine ASIN führt, bietet das System das Anhängen von selbst an. Erst wenn keine passende ASIN gefunden wird, entsteht durch die Neuanlage automatisch eine neue — und genau an dieser Stelle entstehen in der Praxis die meisten der im Folgenden beschriebenen Duplikate.
Wie entstehen doppelte ASINs?
Doppelte ASINs für dasselbe physische Produkt entstehen meist so:
- Ein Händler legt ein „neues Produkt“ an, obwohl bereits eine ASIN für dieselbe EAN existiert — etwa weil die EAN falsch eingetragen wurde.
- Verschiedene Verpackungsgrößen oder Sprachvarianten werden versehentlich als eigenständige Produkte statt als Varianten derselben ASIN geführt.
- Reseller nutzen bewusst eine „neue“ EAN, um sich der Buy Box eines bestehenden Angebots zu entziehen.
Duplikate schaden allen Beteiligten: Bewertungen und Verkaufshistorie verteilen sich auf mehrere ASINs, das Ranking leidet, und Kunden finden dasselbe Produkt an zwei Stellen im Katalog. Amazon erlaubt Händlern, echte Duplikate über den Seller-Support zusammenführen zu lassen.
Was bedeutet ASIN-Hijacking und wie schützt man sich?
Beim Hijacking hängt sich ein fremder Anbieter an eine bestehende, oft gut eingeführte ASIN an — etwa mit gefälschter oder minderwertiger Ware, überhöhten Preisen oder manipulierten Bildern. Da alle Angebote zu einer ASIN dieselbe Produktseite teilen, wirkt sich das Verhalten eines Hijackers unmittelbar auf die komplette Bewertung und Sichtbarkeit des Originalprodukts aus.
Der wirksamste Schutz ist die Amazon Brand Registry: Sie erfordert eine eingetragene Marke, gibt dem Markeninhaber aber erweiterte Rechte, Listing-Änderungen zu kontrollieren, verdächtige Angebote zu melden und Zugriff auf Tools wie Transparency (physische Produktcodes) zu erhalten.
Wie reagiert man akut auf ASIN-Hijacking?
Wer Hijacking auf einer eigenen ASIN feststellt — etwa durch eine plötzliche Flut schlechter Bewertungen, Kundenanfragen zu Produkten, die nie verkauft wurden, oder ein auffällig günstiges Zusatzangebot in der Buy Box —, sollte in dieser Reihenfolge vorgehen:
- Angebot dokumentieren — Screenshots von Verkäufername, Preis und Produktbildern sichern, bei Bedarf ergänzt durch einen Testkauf mit Rechnung als Beleg, bevor der Hijacker das Angebot wieder entfernt.
- Über die Brand Registry melden — der Report-a-Violation-Prozess ist für markenregistrierte Verkäufer deutlich schneller als der allgemeine Amazon-Support und richtet sich gezielt an Markenrechtsverletzungen und Fälschungsverdacht.
- Bei Fälschungsverdacht die Transparency-Codes prüfen — sofern das eigene Produkt im Transparency-Programm registriert ist, lässt sich anhand des physischen Codes zweifelsfrei belegen, ob die verkaufte Ware überhaupt aus der eigenen Lieferkette stammt.
- Kundenservice-Reaktion vorbereiten — Bewertungen und Rückfragen zu Fremdware sollten nicht kommentarlos hingenommen werden; Amazon lässt unter bestimmten Voraussetzungen die Entfernung von Rezensionen zu, die sich nachweislich auf ein anderes Angebot beziehen.
Ohne Brand Registry bleibt in der Praxis nur der reguläre Seller-Support-Weg, der spürbar langsamer reagiert — ein weiterer Grund, die Markenregistrierung nicht erst dann anzugehen, wenn der erste Hijacking-Fall bereits eingetreten ist.
Typische Fehler im Umgang mit ASINs
- Neues Produkt statt Angebot anlegen — wenn die EAN bereits existiert, entsteht unnötig eine Duplikat-ASIN statt eines Angebots auf der bestehenden.
- ASIN und EAN synonym behandeln — in der eigenen Warenwirtschaft oder im PIM werden beide Nummern vermischt, was Abgleiche über mehrere Marktplätze erschwert.
- Keine Brand Registry trotz Eigenmarke — ohne sie fehlen die Werkzeuge, um Hijacking frühzeitig zu erkennen und zu melden.
- ASIN-Duplikate nicht zusammenführen lassen — Bewertungen und Verkaufshistorie bleiben dauerhaft gesplittet, was Ranking und Vertrauen kostet.
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Häufige Fragen zu ASIN
Ist die ASIN dasselbe wie die EAN?›
Nein. Die EAN ist ein herstellerübergreifender GS1-Standard, der weltweit dasselbe physische Produkt identifiziert. Die ASIN ist Amazons eigene, plattforminterne Kennung — sie wird beim Anlegen eines Produkts oft aus der EAN abgeleitet, bleibt aber eine separate Nummer, die außerhalb von Amazon keine Bedeutung hat.
Warum hat dasselbe Produkt auf Amazon.de und Amazon.com unterschiedliche ASINs?›
Jede Amazon-Landesplattform führt einen eigenen Produktkatalog. Auch wenn Amazon europäische Marktplätze technisch teils zusammenführt (Amazon.de, .fr, .it, .es teilen sich oft dieselbe ASIN), gilt das nicht automatisch für Amazon.com oder Amazon.co.uk — dort kann dasselbe Produkt eine andere ASIN tragen.
Was ist ASIN-Hijacking?›
Damit ist gemeint, dass sich ein fremder Verkäufer an eine bestehende ASIN „anhängt“ und dort minderwertige oder gefälschte Ware unter dem Namen des Originalanbieters verkauft — oder Listing-Inhalte manipuliert. Betroffene Marken bemerken das oft erst durch Kundenbeschwerden oder Bewertungseinbrüche.
Kann ich eine ASIN selbst löschen lassen?›
Direkt löschen lässt sich eine ASIN in der Regel nicht, sobald sie mit Bestellhistorie verknüpft ist. Möglich ist, sie über den Seller-Support zusammenführen zu lassen (bei echten Duplikaten) oder über die Brand Registry gegen Missbrauch vorzugehen.
Neues Listing erstellen oder an ein bestehendes Angebot anhängen — wie entscheide ich das?›
Grundregel: Existiert für dasselbe physische Produkt bereits eine ASIN (erkennbar an der eingegebenen EAN), hängt man sich mit einem eigenen Angebot an — ein neues Listing erstellt man nur für tatsächliche Eigenmarken oder Produkte, die noch nicht im Amazon-Katalog geführt werden. Amazon bietet das Anhängen beim Anlegen automatisch an, sobald es eine passende ASIN zur eingegebenen EAN findet.
Was tue ich akut, wenn ich Opfer von ASIN-Hijacking werde?›
Zuerst das fremde Angebot dokumentieren (Screenshots, ggf. Testkauf), dann über die Brand Registry per Report a Violation melden — das ist deutlich schneller als der allgemeine Seller-Support. Bei Fälschungsverdacht helfen zusätzlich die physischen Codes aus dem Transparency-Programm, um die eigene Lieferkette eindeutig nachzuweisen.
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