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E-Commerce15 Minuten

JTL vs Shopify: Der ehrliche Vergleich für deutsche Online-Händler

Welches Shopsystem passt zu Ihnen? Ein objektiver Vergleich von zertifizierten Partnern beider Systeme.

webpowers Team

22. Januar 2026

Die Glaubensfrage, die keine sein sollte

Im deutschen E-Commerce gibt es zwei Lager: Die Shopify-Fraktion ("einfach, schnell, international") und die JTL-Fraktion ("vollständig, deutsch, Warenwirtschaft inklusive").

Beide haben Recht. Und beide liegen falsch.

Nach über 200 Shop-Projekten mit beiden Systemen weiß ich: Die richtige Wahl hängt nicht vom System ab, sondern von Ihrem Geschäftsmodell. Dieser Artikel gibt Ihnen die Entscheidungsgrundlage, die Ihnen Agenturen normalerweise nicht geben — weil sie meist nur eins der beiden Systeme verkaufen.

Wir sind offizieller Shopify Partner UND JTL Partner. Wir haben kein Interesse daran, Ihnen das falsche System zu verkaufen. Entschieden? Dann weiter zu unserem Shopify-Einrichtungsguide oder JTL-Einrichtungsguide.


Die Kurzfassung (für Eilige)

Wählen Sie Shopify wenn:

  • Sie schnell starten wollen (< 4 Wochen)
  • Ihr Fokus auf D2C/Brand liegt
  • Sie unter 2.000 Produkte haben
  • Keine bestehende Warenwirtschaft existiert
  • Internationalisierung geplant ist

Wählen Sie JTL wenn:

  • Sie Multichannel verkaufen (Amazon, eBay, eigener Shop)
  • Komplexe B2B-Preislogik benötigt wird
  • Sie über 5.000 SKUs führen
  • Warenwirtschaft zentral sein muss
  • Deutsches Recht & Buchhaltung Priorität hat

Jetzt die Details.


Vergleich #1: Kosten (Total Cost of Ownership)

Die monatlichen Gebühren sind nicht alles. Hier die echte Rechnung:

Shopify Kostenstruktur

PostenMonatlichJährlich
Shopify Plan (Standard)€105€1.260
Theme (einmalig, umgelegt)€30€360
Apps (Durchschnitt)€150€1.800
Transaktionsgebühren*variabel~1-2% vom Umsatz
Summe (ohne Transaktionen)€285€3.420

Bei €50.000 Monatsumsatz: ~€500-1.000 Transaktionsgebühren

JTL Kostenstruktur

PostenMonatlichJährlich
JTL-Wawi€0€0 (kostenlos!)
JTL-Shop (Standard)€75€900
Hosting (empfohlen)€50€600
Template€40€500 (einmalig, umgelegt)
Extensions€80€960
Summe€245€2.960

Der versteckte Unterschied: Agenturkosten

Shopify:

  • Einrichtung: €2.000-8.000 (einmalig)
  • Laufende Betreuung: €500-1.500/Monat
  • Anpassungen: €80-150/Stunde (Web-Entwickler)

JTL:

  • Einrichtung: €5.000-20.000 (einmalig, komplexer)
  • Laufende Betreuung: €800-2.500/Monat
  • Anpassungen: €100-180/Stunde (spezialisierte JTL-Entwickler)

Fazit Kosten: JTL ist bei den Lizenzkosten günstiger, aber Setup und Betreuung sind teurer. Bei Shops unter €30.000 Monatsumsatz ist Shopify oft wirtschaftlicher. Darüber kippt es zugunsten JTL.


Vergleich #2: Einrichtung & Time-to-Market

Shopify

Timeline für funktionsfähigen Shop:

  • Tag 1-3: Grundkonfiguration, Domain, Theme
  • Tag 4-7: Produkte, Kategorien, Menü
  • Tag 8-10: Zahlungen, Versand, Steuern
  • Tag 11-14: Rechtstexte, Testing, Launch

Realistische Dauer: 2-4 Wochen (bei Vorbereitung)

Was Sie selbst können: Fast alles. Shopify ist für Nicht-Techniker gebaut.

JTL

Timeline für funktionsfähigen Shop:

  • Woche 1-2: JTL-Wawi Installation, Konfiguration
  • Woche 3-4: Artikelstamm aufbauen, Kategorien, Attribute
  • Woche 5-6: JTL-Shop Installation, Template-Anpassung
  • Woche 7-8: Schnittstellen (Payment, Versand, Buchhaltung)
  • Woche 9-10: Testing, Mitarbeiterschulung, Launch

Realistische Dauer: 2-3 Monate (mit Agentur)

Was Sie selbst können: Grundlegendes. Für Setup brauchen Sie JTL-Expertise.

Fazit Time-to-Market: Shopify gewinnt klar. Wenn Geschwindigkeit zählt, ist Shopify die Wahl.


Vergleich #3: Produktverwaltung

Shopify

Stärken:

  • Intuitive Oberfläche, drag & drop
  • Varianten einfach (Größe, Farbe, etc.)
  • Bulk-Edit für bis zu 100 Produkte gleichzeitig
  • API für große Datenmengen

Schwächen:

  • Nur 100 Varianten pro Produkt (hartes Limit!)
  • Keine echte Attributverwaltung
  • Kein integriertes PIM (Product Information Management)
  • Lagerbestand nur auf SKU-Ebene, nicht auf Lagerort

Best für: 50-2.000 Produkte, einfache Varianten

JTL-Wawi

Stärken:

  • Unbegrenzte Varianten (Vater-Kind-Struktur)
  • Echtes PIM mit Attributen, Merkmalen, Funktionen
  • Stücklisten, Bundles, Set-Artikel
  • Mehrlager-Verwaltung mit Lagerplätzen
  • Seriennummern, Chargen, MHD-Tracking

Schwächen:

  • Steile Lernkurve (Windows-Software aus 2005)
  • Keine Cloud-Version (nur lokal oder Terminal-Server)
  • UI ist... gewöhnungsbedürftig

Best für: 2.000+ Produkte, komplexe Varianten, B2B


Vergleich #4: Multichannel-Fähigkeit

Hier zeigt sich der größte Unterschied.

Shopify Multichannel

Integrierte Kanäle:

  • Instagram Shop
  • Facebook Shop
  • Google Shopping
  • TikTok Shop
  • Shopify POS (Einzelhandel)

Amazon/eBay:

  • Nur über Drittanbieter-Apps (Codisto, CedCommerce)
  • €50-300/Monat zusätzlich
  • Synchronisation oft verzögert (15-60 Min)
  • Keine echte Bestandsreservierung

Das Problem: Shopify denkt "Shop first, Marktplätze second". Wenn Sie 50% über Amazon verkaufen, ist Shopify die falsche Zentrale.

JTL Multichannel

Native Integrationen:

  • Amazon (inkl. FBA, PAN-EU)
  • eBay (inkl. Plus, Zahlungsabwicklung)
  • OTTO Market
  • Kaufland (real.de)
  • Hood, Avocadostore, etc.

So funktioniert es:

  1. Artikel in Wawi anlegen
  2. Kanäle zuordnen (ein Klick)
  3. Bestand wird automatisch auf alle Kanäle verteilt
  4. Bestellungen fließen alle in Wawi zusammen
  5. Ein Versandprozess für alles

Der Vorteil: Echter Bestandsabgleich in Sekunden. Kein Überverkauf. Eine Wahrheit.

Fazit Multichannel: JTL ist für Multichannel gebaut. Shopify ist ein Shop mit Multichannel-Erweiterungen.


Vergleich #5: B2B-Funktionalität

Shopify B2B

Was geht:

  • B2B auf Shopify Plus (ab €2.300/Monat!)
  • Kundengruppen mit spezifischen Preislisten
  • Netto-Preisanzeige
  • Mindestbestellwerte
  • Kauf auf Rechnung (via Apps)

Was nicht geht (oder kompliziert ist):

  • Staffelpreise im Frontend
  • Kundenindividuelle Preise
  • Genehmigungsworkflows
  • Kontingente und Rahmenverträge

JTL B2B

Was nativ funktioniert:

  • Unbegrenzte Kundengruppen
  • Staffelpreise (ab X Stück, Y% Rabatt)
  • Kundenindividuelle Preise (pro Kunde, pro Artikel)
  • Rabattgruppen und Konditionsstaffeln
  • Netto/Brutto-Umschaltung
  • Mindestbestellmengen pro Artikel
  • Rahmenverträge mit Kontingenten

Beispiel aus der Praxis: Kunde A: -15% auf Kategorie Werkzeug, -10% auf Rest Kunde B: Festpreise lt. Preisliste 2024 Kunde C: Staffel: Ab 100 Stk -5%, ab 500 -10%

In Shopify? Viel Glück. In JTL? 10 Minuten Setup.

Fazit B2B: JTL ist klar überlegen. Shopify B2B ist erst ab Plus brauchbar.


Vergleich #6: Buchhaltung & Steuerkonformität

Shopify

Was Shopify liefert:

  • Steuereinstellungen pro Land
  • OSS-Unterstützung (One-Stop-Shop)
  • Export-Funktion (CSV)

Was Shopify NICHT liefert:

  • GoBD-konforme Archivierung
  • DATEV-Export
  • Automatische Rechnungsnummern (Pflicht in DE!)
  • Kassenanbindung nach KassenSichV

Die Lösung: Drittanbieter wie Billbee, easybill oder sevDesk. Kosten: €20-100/Monat extra.

JTL

Was JTL nativ liefert:

  • GoBD-konforme Archivierung
  • DATEV-Export (direkt!)
  • Lexware-Schnittstelle
  • Rechtsichere Rechnungserstellung
  • Fortlaufende Belegnummern
  • TSE-Anbindung für Kasse (JTL-POS)

Die Wahrheit: Ihr Steuerberater wird JTL lieben. Bei Shopify fragt er: "Und wo sind die DATEV-Buchungssätze?"

Fazit Buchhaltung: JTL ist für deutsche Buchhaltung gebaut. Shopify braucht Brücken.


Vergleich #7: Performance & Skalierung

Shopify Performance

CDN & Hosting:

  • Vollständig gemanagt
  • Global CDN (Cloudflare-Niveau)
  • 99.99% Uptime garantiert
  • Unlimited Bandwidth
  • Automatische Skalierung bei Traffic-Spikes

Bei Black Friday: Shopify handelt Millionen Bestellungen. Kein Schweiß.

JTL-Shop Performance

Hosting:

  • Sie sind verantwortlich (oder Ihr Hoster)
  • Empfehlung: Managed Server ab €50/Monat
  • Bei Traffic-Spikes: Manuell skalieren oder CDN vorschalten

Bei Black Friday: Wenn Ihr Server richtig konfiguriert ist, kein Problem. Wenn nicht, Downtime.

Fazit Performance: Shopify ist worry-free. JTL braucht Hosting-Kompetenz.


Vergleich #8: Erweiterbarkeit

Shopify App Store

Anzahl Apps: 8.000+ Qualität: Schwankend (viel Müll, aber auch Perlen)

Top-Apps die fehlen:

  • Echtes ERP
  • Native Amazon/eBay-Integration
  • Komplexe B2B-Logik

Eigenentwicklung:

  • Liquid (Template-Sprache) — einfach
  • Shopify Functions — mittelschwer
  • Custom Apps (Node.js/React) — für Entwickler

JTL-Extension Store

Anzahl Extensions: ~500 Qualität: Durchweg gut (kleinere Community, mehr Kontrolle)

Top-Extensions:

  • Druckdialog-Anpassungen
  • Automatisierungsregeln (Workflows)
  • Spezial-Schnittstellen (DATEV, SAP, etc.)

Eigenentwicklung:

  • JTL-Wawi: Ameise (Import), Workflows, SQL-Abfragen
  • JTL-Shop: PHP/Smarty (wie WooCommerce)
  • Vollständige API-Dokumentation

Fazit Erweiterbarkeit: Shopify für Marketing-Apps, JTL für ERP-nahe Erweiterungen.


Die Entscheidungsmatrix

KriteriumShopifyJTLGewinner
Time-to-Market⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐Shopify
Benutzerfreundlichkeit⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐Shopify
Produktverwaltung (einfach)⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐Shopify
Produktverwaltung (komplex)⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐JTL
Multichannel⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐JTL
B2B-Funktionen⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐JTL
Buchhaltung (DE)⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐JTL
Performance⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐Shopify
Marketing-Tools⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐Shopify
Internationalisierung⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐Shopify
TCO (< €30k/Mo)⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐Shopify
TCO (> €100k/Mo)⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐JTL

3 Fallbeispiele aus der Praxis

Fall 1: D2C Fashion Brand

Situation: Junges Modelabel, 120 Produkte, Instagram als Hauptkanal Entscheidung: Shopify Warum: Schneller Launch, Instagram-Integration, internationale Skalierung geplant Ergebnis: Nach 3 Monaten €45.000 Umsatz, 40% international

Fall 2: Technischer Großhandel

Situation: 8.000 SKUs, 500 B2B-Kunden, Amazon + eBay + eigener Shop Entscheidung: JTL Warum: Multichannel-Zentrale, individuelle Kundenpreise, DATEV-Export Ergebnis: 60% Zeitersparnis bei Auftragsabwicklung, keine Überverkäufe mehr

Fall 3: Hybrid (Ja, das geht!)

Situation: Fahrradhersteller, B2C International + B2B DACH Entscheidung: Shopify (B2C) + JTL-Wawi (Backend) Warum: Shopify für Endkunden-Experience, JTL für Warenwirtschaft + B2B Integration: Billbee als Middleware Ergebnis: Best of both worlds, aber höherer Wartungsaufwand


Fazit: Es gibt keine falsche Wahl — nur eine falsche für SIE

Beide Systeme sind gut. Die Frage ist, was Ihr Business braucht.

Letzte Empfehlung:

Wenn Sie sich unsicher sind: Starten Sie mit Shopify. Ernsthaft.

Warum? Weil Sie in 2 Wochen live sind und echte Daten sammeln. Wenn Sie nach 12 Monaten merken, dass Sie JTL brauchen, migrieren Sie. Das ist machbar.

Andersrum ist schwieriger: Mit JTL zu starten und nach 6 Monaten zu merken, dass es zu komplex ist, kostet mehr.


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Wir sind sowohl Shopify Partner als auch JTL Partner. Wir verdienen an beiden — deshalb können wir ehrlich beraten.

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Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Haben Sie Fragen oder Korrekturen? Schreiben Sie uns. Letzte Aktualisierung: Februar 2026

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